CHRISTIN BOLEWSKI

1. Einleitung

2. Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung
2.1. Das Auge
2.1.1. Die Empfindlichkeit des Auges
2.1.2. Flimmererscheinungen
2.1.3. Die Farbwahrnehrnung
2.2. Das Ohr
2.2.1. Räumliches Hören
2.3. Zusammenspiel der menschlichen Wahrnehmungsorgane

3. Technische Vorraussetzungen der Telepräsenz
3.1. Das Bild
3.1.1. Technische Mängel bestehender Fernsehsysteme
3.1.1.1. Örtliche Auflösung
3.1.1.2. Zeitliche Auflösung
3.1.1.3. Zeilensprungverfahren
3.1.1.4. Cross-Color und Cross-Luminanz
3.1.2. Technische Erfordernisse für ein Großbildfernsehen
3.1.2.1. Bildgröße
3.1.2.2. Seitenverhältnis
3.1.2.3. Zeilenzahl und Betrachtungsabstand
3.1.2.4. Stör-ungsfreiheit
3.1.2.5. Farbwiedergabe
3.2. Der Ton
3.2.1. Mono- und Stereoton
3.2.2. Mehrkanalton
3.3. HD-(High Definition)MAC

4. Der Weg zur telepräsenten Darbietung
4.1. Die Anfänge
4.2. Das Kino
4.3. Das Fernsehen
4.4. Das hochauflösende Fernsehen

5. HDTV und Telepräsenz - Forschung und Produktionserfahrungen
5.1. Telepräsenzkonzepte nach Wöpking
5.1.1. Mimetische Telepräsenz
5.1.2. Narrative Telepräsenz
5.2. Forschungsergebnisse des HHI Berlin
5.3. Weitere Forschungsergebnisse
5.4. Bilddramaturgie im hochauflösenden Fernsehen und Folgen für die Programminhalte

6. Fragebogenaktion zur HD-MAC-Übertragung der olympischen Sommerspiele 1992
6.1. Versuchsbedingungen.
6.2. Beurteilung der Bild- und Tondramaturgie
6.3. Ergebnisse und Schlußfolgerungen

7. Bedingungen für die Großbilddarstellung zu Hause

8. Abschließende Betrachtungen
  • Forschung / research

  • HDTV und Telepräsenz

1992 HDTV and Telepresence
Forschungsprojekt/Diplomarbeit
in Zusammenarbeit mit dem WDR Köln
research/diploma in collaboration with
WDR West German Broadcast, Cologne



Mit der neuen Technik des hochauflösenden Großbildfernsehens soll dem Zuschauer ein neuartiges,
realitätsnahes Fernseherlebnis vermittelt werden, das mit dem Begriff "Telepräsenz" bezeichnet wird.Dabei wurden die hierzu notwendigen technischen Verbesserungen des HDTV-Systems an den menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten ausgerichtet (= Antropotechnik).
Nach einer kurzen Beschreibung der Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung sowie der angepaßten, verbesserten Fernsehtechnik des HDTV folgt eine
Einordnung des neuen Mediums in bezug auf seine Erlebnisqualitäten zwischen den Medien Kino und Fernsehen. Aus den besonderen Bedingungen des hochauflösenden Fernsehens werden Folgen für die Dramaturgie sowie für die Betrachtungssituation des Zuschauers hergeleitet, und es wird versucht, eine genaue Beschreibung des Begriffes "Telepräsenz" zu liefern.

1. Einleitung

Die bisherigen Diskussionen um das "Hochauflösende Großbildfernsehen" sind zumeist auf technische Fragen, Normenstreit und wirtschaftliche Aspekte begrenzt gewesen. Dabei tauchen in der letzen Zeit immer wieder Schlagzeilen auf, die ein neuartiges Erlebnis versprechen.
"Kino im Wohnzimmer" oder "Fernsehen der Zukunft" heißt es, und es wird dem Zuschauer eine neue Dimension von Fernsehen versprochen, die als "Telepräsenz" bezeichnet wird. Dabei umschreibt der Begriff "Telepräsenz" eine Erlebnisqualität, die aus dem bisherigen Fernseherlebnis der Television hervorgeht, und dieses durch eine an die menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten angepaßte Verbesserung der technischen Parameter intensiviert. Es ist das Ziel, die technischen Übertragungs- und Wiedergabeeinrichtungen von Bild und Ton so zu verbessern, daß sie nicht länger vom Zuschauer bewußt wahrgenommen werden können. Durch eine erhebliche Vergrößerung des durch das wiedergegebene Bild ausgefüllten Gesichtsfeldes sowie ein Mehrkanaltonsystem soll der Zuschauer das Gefühl gewinnen, die übertragene Bildszene real vor sich zu sehen und eine völlig neue Bildästhetik mit intensivem Erlebnis erfahren. Telepräsenz bedeutet, die Herstellung einer Wahrnehmungssituation und eines Illusionsraumes, in dem die Realität und ihre Darstellung im Medium HDTV tendenziell austauschbar ist.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Begriff "Telepräsenz" genauer zu umschreiben. Es werden die Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung sowie die hierauf abgestimmten technischen Vorrausetzungen im Bild- und Tonbereich dargestellt, die ein intensiveres Fermseherlebnis ermöglichen. Um das neue Medium HDTV und seine Erlebnisqualitäten einordnen zu können, werden die Bedingungen des Kino- und Fernseherlebnisses dargestellt und die Unterschiede herausgearbeitet, die HDTV zu einem eigenständigen Medium machen. Hieraus ergeben sich Folgen für die Betrachtungssituation unter der Telepräsenz erlebt werden kann, sowie für die Gestaltung der vermittelten Inhalte. Anhand von verschiedenen, theoretischen Dramaturgiekonzepten und ersten Untersuchungsergebnissen von Zuschauerreaktionen auf HDTV-Testproduktionen werden die Bedingungen für ein neues Fernseherlebnis dargestellt. Diese Ergebnisse sind Ausgangspunkt für eine weitere Untersuchung über die Erlebnisqualitäten von hochaufgelösten GroBbildern, die anläßlich der HD-MAC-Übertragung der Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona durchgeführt wurde und hier dargestellt werden soll. Desweiteren wird ein Ausblick über die Möglichkeiten der Großbilddarstellung zu Hause gegeben und Faktoren vorgestellt, die eine optimale Wirkung der großen Fernsehbilder und damit die Intensität des neuen Erlebnisses beeinflussen.

Da alle Ausführungen zum Thema 'Telepräsenz" auf theoretischen Betrachtungen, Quervergleichen mit den Bedingungen bestehender Mediensysteme, wenigen Testproduktionen und einigen Laborversuchen basieren, kann zur Zeit keine endgültige Beschreibung des Mediums HDTV und seiner Erlebnisqualitäten geliefert werden. Dieses wird erst möglich, wenn sich HDTV als ein eigenständiges Medium zwischen den anderen audiovisuellen Medien herausgebildet hat. Es lassen sich zur Zeit nur vielfältige Faktoren vor allem auch im psychologischen Bereich beschreiben, die Einfluß auf die Gestaltung des neuen Fernsehens haben und somit Tendenzen festlegen, wieweit das realitätsähnliche Erlebnis der Telepräsenz durch das Medium HDTV erreicht werden kann. Schwerpunkt dieser Arbeit ist somit die Darstellung und Einordnung des neuen Fernsehsystems HDTV sowie eine Schilderung sämtlichen Randbedinungen, die Einfluß auf die Erlebnisqualität der Telepräsenz ausüben könnten.

Mein Dank gilt dem Referenten Herrn Prof. Dr.-Ing. Stollenwerk, FH Köln, dem Korreferenten Herrn Dr.-Ing. Danilenko, Technischer Direktor des Westdeutschen Rundfunks Köln und Georg Berg, Öffentlichkeisarbeit WDR.

Durch die
Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk Köln und der Fa. Phillips wurde es mir ermöglicht, die Untersuchungen durchzuführen und einen eigenen Eindruck von dem momentanen Produktionsstandard des hochauflösenden Fernsehens in Europa zu gewinnen.

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christin@ooio.de